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Der Flamenco-Kamm (Peineta): Was er ist, seine Geschichte und wie man ihn trägt

Kaum ein Accessoire ist so unverkennbar wie die Peineta. Es genügt, sie über einem hohen Dutt hervorschauen zu sehen, um an die Feria, an Tanz oder an eine feierliche Hochzeit zu denken. Doch die Peineta entstand nicht als Flamenco-Schmuck: Ihre Geschichte beginnt viel früher, in den Salons des Hofes, und ihre heutige Form ist das Ergebnis von fast zwei Jahrhunderten Wandel in der spanischen Mode.

Was ist eine Peineta und woher kommt sie

Eine Peineta ist ein fächer- oder halbkreisförmiges Haarschmuckstück mit einer Reihe von Zinken oder Zähnen an der Basis, die ins Haar gesteckt werden, um es hochzuhalten, in der Regel über einem Dutt oder Hochsteckfrisur. Anders als eine schlichte dekorative Haarnadel hat die Peineta Volumen und eigene Präsenz: Sie ist sichtbar, fällt auf und ist dazu gedacht, zur Geltung zu kommen, nicht unbemerkt zu bleiben.

Der Ursprung der Peineta liegt weder im Flamenco noch in Andalusien, sondern am spanischen Hof des 18. Jahrhunderts. Die Frauen der Aristokratie begannen, Peinetas von beachtlicher Größe zu tragen, um die damals modischen hohen Frisuren zu stützen und zu betonen, beeinflusst von Trends aus Frankreich. Damals war es ein Luxusaccessoire, den Schichten vorbehalten, die es sich leisten konnten, handgeschnitzte Stücke anfertigen zu lassen.

Im 19. Jahrhundert wurde die Peineta populär und begann, mit dem Bild „der Spanierin” assoziiert zu werden, das sich durch Malerei, Reiseliteratur und später die Oper in ganz Europa verbreitete. Sie wurde mit der Mantilla kombiniert und bildete so ein Ensemble, das von der alltäglichen Kleidung des Bürgertums zur Galakleidung wurde, die religiösen und wichtigen gesellschaftlichen Anlässen vorbehalten war. Von dort aus schaffte sie den Sprung in die Welt des Tanzes und des Volksfestes, wo sie eine zweite Heimat fand, die bis heute anhält: die Feria, die Hochzeit und die Flamenco-Bühne.

Traditionelle Materialien: von Schildpatt zu Harz

Über Generationen hinweg wurden die hochwertigsten Peinetas aus Schildpatt gefertigt, einem Material, das aus dem Panzer der gleichnamigen Meeresschildkröte gewonnen wurde. Schildpatt hatte ein sehr besonderes Aussehen mit goldenen und braunen durchscheinenden Maserungen, die ihm einen warmen, schwer nachzuahmenden Glanz verliehen, und es war zudem ein Material, das erhitzt und von Hand geformt werden konnte, um die exakte Wölbung zu erzielen, die eine Peineta braucht.

Heute ist die Verwendung von echtem Schildpatt in den allermeisten Ländern verboten, auch in Spanien, da die Karettschildkröte eine vom Aussterben bedrohte Art ist und ihr Handel durch internationale Naturschutzabkommen eingeschränkt wird. Die heute als „Schildpatt-Peinetas” verkauften Stücke bestehen tatsächlich aus hochwertigem Harz oder Kunststoff, der Farbe und Maserung des Originalmaterials nachahmt, ohne jede Auswirkung auf die Art. Das zu wissen ist wichtig, sowohl aus Naturschutzgründen als auch, weil man eine wirklich alte, geerbte Peineta wie ein Museumsstück behandeln sollte und nicht wie ein Alltagsaccessoire.

Neben dem schildpattfarbenen Harz gibt es Peinetas in weiteren Ausführungen: schwarz (sehr gebräuchlich mit Trauermantilla oder für ernstere Anlässe), weiß oder perlmuttfarben (für Hochzeiten) und mit eingearbeiteten Strasssteinen für Abendlooks. Das Material wirkt sich direkt auf das Gewicht aus: Eine massive Harz-Peineta kann deutlich schwerer sein als eine aus leichtem Kunststoff, was wichtig zu bedenken ist, wenn man sie viele Stunden am Stück tragen möchte.

Größen je nach Anlass

Nicht alle Peinetas sind für denselben Zweck gedacht, und die Größe ist die erste praktische Entscheidung, die getroffen werden muss.

Große Peinetas mit sehr offener, fächerförmiger Silhouette gehören zur Galakleidung: Feria, Hochzeit mit Mantilla, Prozession oder jeder Anlass, bei dem die Frisur der große Star des Gesamtlooks ist. Sie werden meist mit Mantilla oder großen Blumen kombiniert und hoch angesetzt getragen, was einen sehr auffälligen, aber auch unbequemeren Effekt für einen ganzen Tag ergibt, denn je größer die Peineta, desto stärker zieht sie am Haar und desto leichter verrutscht sie.

Mittelgroße Peinetas sind am vielseitigsten und werden am häufigsten bei Tänzerinnen und bei Flamenco-Alltagskleidern der Feria gesehen: Sie verleihen Volumen, ohne übertrieben zu wirken, und erlauben Bewegung, Tanz und Kopfdrehungen, ohne Angst, dass sie herunterfallen.

Kleine Peinetas, manchmal „peinetillas” genannt, werden vor allem als dekorativer Abschluss einer Hochsteckfrisur verwendet, seitlich oder oben, und sind am bequemsten für den längeren Gebrauch oder für alle, die erst anfangen, eine Peineta zu tragen und noch nicht an Gewicht und Halt gewöhnt sind.

Wie man sie richtig im Dutt anbringt

Eine Peineta richtig zu platzieren macht den Unterschied zwischen einer Frisur, die den ganzen Tag hält, und einer, die schon nach der ersten Stunde zu rutschen beginnt. Die grundlegenden Schritte sind folgende.

Erstens muss das Haar zu einem festen Dutt hochgesteckt sein, normalerweise im oberen oder oberen mittleren Bereich des Kopfes, denn die Peineta braucht eine solide Basis, auf der sie ruhen kann; auf offenem Haar hält sie nicht gut und fällt leicht heraus.

Zweitens wird die Peineta mit den Zinken nach vorne gerichtet und leicht nach hinten geneigt eingesetzt, niemals völlig senkrecht, denn diese Neigung erzeugt den eleganten Effekt und verteilt das Gewicht besser über den Schädel, statt es an einem einzigen Punkt zu konzentrieren.

Drittens wird, sobald die Basis der Peineta im Dutt sitzt, der Halt mit mehreren über Kreuz gesteckten Haarnadeln verstärkt, die sowohl die Peineta als auch den Dutt selbst durchqueren und im echten Haar verankert sind, nicht nur in einem eingearbeiteten Haarteil, falls Füllhaar verwendet wird. Je mehr Haarnadeln in unterschiedlichen Winkeln, desto widerstandsfähiger ist sie gegen die Bewegungen des Tanzes oder des Windes.

Viertens lohnt es sich, den Halt vor dem Verlassen des Hauses zu testen: den Kopf energisch zur Seite und nach vorne bewegen, als würde man eine Tanzdrehung simulieren. Wackelt die Peineta stark, müssen mehr Haarnadeln hinzugefügt oder ihre Höhe leicht gesenkt werden.

Ein praktisches Detail: Je größer und schwerer die Peineta, desto wichtiger ist eine gute Basis aus Toupierung oder Haarteil darunter, denn feines oder wenig voluminöses Haar bietet allein nicht genug Halt.

Peineta mit Mantilla vs. Peineta mit Blumen

Auch wenn sie manchmal verwechselt werden, entsprechen Peineta mit Mantilla und Peineta mit Blumen unterschiedlichen Verwendungen und Ästhetiken.

Die Peineta mit Mantilla ist das förmlichste und feierlichste Ensemble. Sie wird bei Hochzeiten, Kommunionen, der Karwoche (in der Variante mit schwarzer Mantilla) oder festlichen Stierkämpfen getragen. Hier ist die Peineta meist groß, mit sehr klarer Silhouette, da sie das Gewicht der dahinter und seitlich fallenden Spitzenmantilla tragen muss. Die Anbringung ist steifer und durchdachter, fast zeremoniell, und nicht für intensive Tanzbewegungen gedacht, sondern dafür, mit Haltung zu gehen.

Die Peineta mit Blumen hingegen ist im Kontext der Feria und des Flamenco-Tanzes am gebräuchlichsten. Sie wird mit Nelken, Rosen oder Stoffblumen passend zum Kleid kombiniert und trägt keine Mantilla dahinter. Sie ist leichter, erlaubt mehr Bewegungsfreiheit und lässt viel mehr Farbanpassung an das Kleid zu. In der Tanzwelt wird zudem meist eine mittlere oder kleine Größe gewählt, damit sie beim Zapateado und bei den Drehungen nicht stört.

Eine gute Faustregel, um nicht falsch zu liegen: Verlangt der Anlass eine Mantilla, ordnet sich die Peineta ihr unter; ist der Anlass eine Feria oder ein Tanz, sind Peineta und Blumen die Hauptdarsteller und brauchen keine Mantilla.

Pflege und Aufbewahrung

Eine gut gepflegte Peineta hält Jahre, sogar Generationen, weshalb sich ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit lohnt.

Zum Aufbewahren eignet sich am besten eine feste Schachtel oder ein Etui, in dem sie keine Stöße oder Druck abbekommt, da Harz und Kunststoff reißen oder sich verformen können, wenn sie in einer Schublade unter anderen Gegenständen zusammengedrückt werden. Sie sollte nie zu fest in Stoff gewickelt aufbewahrt werden, da die feinen Zinken unter Druck brechen können.

Die Reinigung sollte sanft erfolgen: Ein leicht angefeuchtetes Tuch genügt, um Staub oder Haarspray-Reste zu entfernen; scheuernde Produkte oder Lösungsmittel, die den schildpattähnlichen Glanz trüben könnten, sollten vermieden werden. Sind Strasssteine aufgeklebt, reinigt man besser nur mit einem trockenen Tuch, um die Fassungen nicht zu lösen.

Es lohnt sich, den Zustand der Zinken gelegentlich zu überprüfen, besonders wenn die Peineta häufig zum Tanzen verwendet wird: Intensiver Gebrauch kann einzelne Zinken mit der Zeit schwächen, und ein gebrochener Zinken verringert den Halt erheblich. Und natürlich sollte sie vor direkter Hitze geschützt werden (etwa in der Nähe einer Wärmequelle oder in der Sonne im Auto), da sich sowohl Harz als auch Kunststoff bei hohen Temperaturen verformen können.

Abschließend eine Kuriosität zum Namen: Bei Internetsuchen findet man sehr häufig die Schreibweise „peinetta” mit doppeltem t. Das ist eine falsche Schreibweise — im Spanischen existiert nur „peineta”, mit einem einzigen t — die jedoch so verbreitet ist, dass man wissen sollte, dass beide Formen genau dasselbe Accessoire bezeichnen.

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