Musique Espagnole

Gesangsstile

Lorqueñas

Cantiñas

Ursprung und Geschichte

Die Lorqueñas entstehen aus der Begegnung zwischen der Dichtung Federico García Lorcas und dem Flamenco-Compás, konkret dem der Bulería, der ihnen ihren festlichen Charakter und ihre rhythmische Vitalität verleiht. Es war Pastora Pavón, künstlerisch bekannt als la Niña de los Peines, die Texte des Dichters aus Granada aufnahm, der der Welt des Cante im Übrigen sehr nahestand, dank seines Interesses am Flamenco und seiner Teilnahme am Concurso de Cante Jondo von Granada 1922, und sie in einen eigenen Stil innerhalb ihres Repertoires verwandelte.

Diese Kreuzung zwischen gelehrter Literatur und volkstümlicher Tradition ist in einen Moment eingebettet, die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem mehrere Intellektuelle und Dichter aus dem Umfeld der Generación del 27 ein besonderes Interesse am Cante jondo zeigten, während umgekehrt manche Cantaores Autorentexte in ihr traditionelles Repertoire aufnahmen, in einem seltenen Dialog zwischen beiden Welten.

Die Lorqueñas blieben so ein einzigartiges Beispiel eines Cante mit bekannter Urheberschaft und bekanntem Interpreten, etwas Ungewöhnliches in einem traditionell anonymen, mündlich überlieferten Genre.

Musikalische Merkmale und Compás

Mit klaren Nuancen der Bulería in ihrer Entwicklung werden die Lorqueñas im zwölfzähligen Amalgam-Compás dieses festlichen Palos gesungen, mit ausgeprägter Betonung und lebhaftem Rhythmus, angepasst an das Versmaß von Lorcas Gedichten, die als Text dienen. Ton und Phrasierung schöpfen unmittelbar aus dem Stil der Cantiñas und Bulerías aus Cádiz und Sevilla, mit denen sie eine Gruppe teilen.

Die Gitarre begleitet mit dem charakteristischen Toque der Bulería, flink und rhythmisch, und lässt Raum für die dem Stil der Niña de los Peines eigenen Gesangsverzierungen, die die Phrasierung dieses und anderer festlicher Cantes des 20. Jahrhunderts stark beeinflusste.

Cantaores und wichtige Interpreten

Die Schöpferin und maßgebliche Interpretin der Lorqueñas ist Pastora Pavón, la Niña de los Peines, eine der einflussreichsten Cantaoras der Flamenco-Geschichte, deren Version über Texte von García Lorca als Vorbild des Stils festgehalten wurde. Später haben andere Cantaores dieses Repertoire gelegentlich wieder aufgegriffen, als Hommage sowohl an die Cantaora als auch an den Dichter.

Verhältnis zu anderen Palos

Die Lorqueñas werden innerhalb der Cantiñas eingeordnet, jener Familie festlicher Cantes im Compás der Bulería, typisch für das Umfeld von Cádiz, zusammen mit der Alegría, dem Mirabrás, der Romera und der Caracola. Sie teilen Compás und festliche Stimmung mit der eigentlichen Bulería, von der sie praktisch eine thematische Variante durch ihren Autorentext darstellen.