Media granaína
Die Media granaína gehört, wie die Granaína, zu den Fandangos von Granada und teilt mit ihr jenen cante levantino Charakter mit freier Melodie ohne tanzbaren compás. Antonio Chacón war es, der die Unterscheidung zwischen beiden Stilen – Granaína und Media granaína – festlegte und damit zwei verwandte, aber eigenständige Zweige desselben Stammes begründete.
Später entwickelte Manuel Vallejo seine eigene Version des Stils, die großen Ruhm erlangte und dazu beitrug, die Media granaína als einen der Referenzcantes unter den levantinischen Fandangos zu etablieren.
Ursprung und Geschichte
Die Media granaína entsteht im Zuge der Kodifizierung der Fandangos von Granada zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Antonio Chacón, der große Erneuerer des Cante jener Epoche, innerhalb der Granaína eine kürzere Variante mit anderen tercios als eigenständigen Stil festlegte, dem man wegen seiner Abstammung vom Mutter-Cante den Namen „Media granaína” gab. Dieser Prozess bewusster künstlerischer Schöpfung ist charakteristisch für die persönlichen Fandangos, bei denen ein angesehener cantaor ausgehend von einer traditionellen Grundlage einen eigenen Stil formt und benennt.
Nach Chacón übernahm der sevillanische cantaor Manuel Vallejo den Stil und prägte ihm seinen persönlichen Stempel auf, wodurch eine Version der Media granaína entstand, die während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts enorme Popularität erlangte und bis heute eine unumgängliche Referenz im Repertoire der levantinischen Fandangos bleibt.
Musikalische Merkmale und compás
Wie die übrigen Cantes aus Granada ist die Media granaína ein freier Cante ohne festen compás und ohne Tanzfunktion, was sie zusammen mit der Granaína, der Malagueña oder der Taranta in die Gruppe der cantes levantinos einreiht. Sie wird üblicherweise mit einer „por medio” gestimmten Gitarre begleitet, einem Ton, der eine dunkle und feierliche Klangfarbe verleiht, die ihrem melancholischen Charakter sehr entspricht.
Im Gegensatz zur Granaína mit ihren ausgedehnteren und stärker verzierten tercios zeichnet sich die Media granaína durch eine kürzere und direktere melodische Struktur aus, bewahrt aber dieselbe expressive Intensität und die stimmlichen Anforderungen, die den cantes de Levante eigen sind.
Cantaores und repräsentative Interpreten
Antonio Chacón ist die Schlüsselfigur bei der Festlegung des Stils, da er die Unterscheidung zwischen Granaína und Media granaína innerhalb seiner persönlichen Neugestaltung der Fandangos von Granada etablierte. Manuel Vallejo wiederum entwickelte eine eigene Version, die ihm Ruhm einbrachte und eine der am meisten erinnerten Interpretationen dieses palo darstellt. Beide cantaores stehen für die beiden großen historischen Meilensteine dieses Stils innerhalb des cante levantino.
Beziehung zu anderen palos
Die Media granaína gehört zur Familie der Fandangos, genauer zur Gruppe der Fandangos von Granada, deren Ausgangsstil die Granaína ist. Sie teilt mit der Granaína, der Malagueña und der Taranta jene Eigenschaft eines freien, nicht tanzbaren Cante, die den cantes levantinos eigen ist, und ist Teil der breiten Palette persönlicher Fandangos, die zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden.