Pregón
Der Pregón wurzelt in der volkstümlichen Gewohnheit, Waren mit lauter Stimme auf Straßen und Plätzen anzupreisen und zu verkaufen. Das Flamenco griff diese mündliche Tradition der Straßenhändler auf und verwandelte sie in Cante, wobei es in seiner Struktur jenen Charakter der Ankündigung oder des Rufs bewahrte, der ihm den Namen gibt.
Die herangezogene Quelle nennt keine konkreten Interpreten, die historisch mit diesem Stil verbunden sind.
Ursprung und Geschichte
Der Pregón geht von einer im Alltag von Städten und Dörfern ganz Spaniens und Hispanoamerikas verbreiteten Praxis aus: dem pregonero oder Straßenhändler, der seine Ware – von Fisch bis zu Blumen oder Süßigkeiten – mit einer eigenen, leicht erkennbaren und einprägsamen Weise anpries, gedacht, um Kunden anzulocken. Diese Straßenmelodien, mündlich überliefert und tief in der Volkskultur verwurzelt, zogen die Aufmerksamkeit von Komponisten und cantaores auf sich, die sie in den Bereich des Kunstlieds und, im Fall des Flamenco, in den Cante überführten.
Ihre Verbindung mit Amerika ist besonders eng, da viele der bekanntesten pregones, die das Flamenco neu gestaltete, aus der kubanischen Tradition und anderen Gebieten der Karibik stammen, was erklärt, warum er häufig zu den cantes de ida y vuelta gerechnet wird, jenen, die den musikalischen Austausch zwischen Spanien und Amerika widerspiegeln. Seine Aufnahme in das Repertoire des Flamenco ist im Vergleich zu den primitiven Cantes relativ jung, verbunden mit der Vorliebe des 20. Jahrhunderts, Milieus und volkstümliche Szenen innerhalb der Flamenco-Darbietung wiederzuerschaffen.
Musikalische Merkmale und compás
Der Pregón ist seiner Herkunft nach ein Cante freien Charakters, der in seiner Phrasierung den deklamierten Ton und die Stimmmodulationen des Straßenhändlers nachahmt. Sein Reiz liegt gerade in dieser Theatralik: Der cantaor bildet die Szene des pregonero nach und spielt mit Betonung und Pausen, um der im Text erzählten Geschichte Lebendigkeit zu verleihen.
Da er sich keinem festen flamenco compás unterordnet, erlaubt er große interpretatorische Freiheit, und seine Gitarrenbegleitung ist meist flexibel, angepasst an die Rhythmus- und Ausdruckswechsel der Stimme, statt einen regelmäßigen compás vorzugeben, wie es bei den festeros Cantes der Fall ist.
Repräsentative cantaores und Interpreten
Es liegen keine gesicherten Daten über konkrete cantaores vor, die historisch in herausragender Weise mit diesem Stil verbunden wären. Es handelt sich um einen Cante von eher beschreibendem und anekdotischem als tragendem Charakter innerhalb des Flamenco, gelegentlich gepflegt von Künstlern, die sich für Sittenschilderung und für Cantes volkstümlicher Wurzel oder de ida y vuelta interessieren.
Verhältnis zu anderen palos
Der Pregón steht an der Grenze zwischen den cantes de ida y vuelta und den Cantes volkstümlicher Wurzel freien Charakters, dem Geist nach nahe anderen Sittenschilderungen des Repertoires des Flamenco, die Berufe oder Alltagsmilieus nachzeichnen. Seine deutlichste Verwandtschaft besteht mit den amerikanischen Cantes, die das Flamenco neu gestaltete, wie der guajira oder der colombiana, mit denen er jenen Hintergrund des kulturellen Austauschs zwischen Spanien und Amerika teilt.