Toná
Die Tonás sind ursprüngliche Cantes, unter den ältesten, die man im Flamenco kennt. Sie werden ohne Gitarre vorgetragen, begleitet allein vom Rhythmus des Chumbé und des Hammers, und waren mit der Arbeit und der Atmosphäre der Schmieden verbunden, in denen die Gitanos sie anstimmten. Aus dieser gemeinsamen Wurzel der Toná gehen weitere Schmiedegesänge hervor, wie der Martinete oder die Carceleras.
Ursprung und Geschichte
Die Tonás reichen zurück bis zu den eigentlichen Ursprüngen des Flamenco-Cante, im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert, als die in Andalusien ansässigen gitano-Gemeinschaften – besonders in Triana, Jerez und anderen Zentren des Unteren Guadalquivir – ein Repertoire von Cantes a voz sola entwickelten, ohne instrumentale Begleitung, verbunden mit dem Alltag, der Arbeit und den Familientreffen. Sie sind, zusammen mit den Martinetes und den Carceleras, der reinste Ausdruck dessen, was man als ursprünglichen gitano-andalusischen Cante bezeichnet.
Ihre Weitergabe erfolgte über Generationen mündlich und innerhalb der Familie, und sie gelangten bereits im 19. Jahrhundert dank Pionierfiguren, die sie sammelten und verbreiteten, in den Theater- und Café-cantante-Flamenco. Mit dem Aufkommen der Cafés Cantantes wandelten sich manche Tonás oder gaben Varianten mit Gitarrenbegleitung den Anstoß, wenngleich der älteste Kern des Stils stets seinen a-palo-seco-Charakter bewahrte.
Musikalische Merkmale und compás
Die Toná ist ein Cante mit freiem compás, ohne Gitarre oder irgendein anderes harmonisches Instrument, was sie zu den sogenannten Cantes „a palo seco” zählt. Steht sie im Zusammenhang mit der Schmiedearbeit, stammt die einzige rhythmische Begleitung vom Schlag des Hammers auf den Amboss, der einen unregelmäßigen Puls markiert, der die Stimme trägt, ohne sie einem geschlossenen compás zu unterwerfen.
Musikalisch zeichnet sie sich durch eine Melodie begrenzten Umfangs aus, sehr ornamentiert und von großer ausdrucksstarker Intensität, mit einem Ton, der an liturgische Gesänge und semitische Wurzeln erinnert, die den ursprünglichen Flamenco beeinflussten. Das Fehlen jeglicher Begleitung legt die gesamte technische Anforderung auf die Stimme des Interpreten.
Cantaores und repräsentative Interpreten
Die herangezogene Quelle nennt keine konkreten Interpreten, die mit diesem Stil verbunden sind, wenngleich die Flamenco-Tradition den gitano-cantaores des ausgehenden 18. und des 19. Jahrhunderts, aktiv in den ersten Zentren des cante jondo, die Bewahrung und Weitergabe dieses Repertoires zuschreibt.
Verwandtschaft mit anderen Palos
Die Toná ist die Matrix einer ganzen Familie von Cantes a palo seco, bekannt als Schmiedegesänge, zu denen der Martinete, die Carcelera und die alte Saeta zählen. Ihre melodische Struktur und ihr Fehlen von compás und Instrumentierung verwandtschaften sie zudem mit den ältesten ursprünglichen Cantes des jondo-Repertoires, aus denen sich wiederum weitere, bereits gitarrenbegleitete Stile ableiten.