Musique Espagnole

Gesangsstile

Verdiales

Fandangos

Die Verdiales sind ein Fandango-Stil, der sich über weite Teile Andalusiens erstreckt, wobei seine Verwurzelung in den Provinzen Málaga, Almería und Granada besonders stark ausgeprägt ist. Sie gehören zur großen Familie der Fandangos, innerhalb derer sie einen ihrer erkennbarsten Zweige bilden, und gelten der Überlieferung nach als die Wurzel, aus der Stile wie die Malagueña oder die Rondeña hervorgingen.

Ursprung und Geschichte

Die Verdiales gelten als einer der ältesten Fandangos Andalusiens, mit Wurzeln, die auf die bäuerlichen Feste und Wallfahrten in den Bergen rund um Málaga zurückgehen, insbesondere in der Comarca der Montes de Málaga, wo sie ihren Namen von den Weilern und Gehöften erhielten, die dem Anbau der grünen Verdial-Olive gewidmet sind. Ihr volkstümlicher und festlicher Ursprung hält sie fern vom feierlicheren cante jondo und bewahrt einen kollektiven Charakter als Fest im Freien.

Der Stil organisiert sich traditionell um die sogenannten „Pandas de Verdiales”, Gruppen von Musikern und Tänzern, die den Cante in Prozession oder im Kreis vortragen, ein Brauch, der mindestens bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und bis heute bei Festen und Wettbewerben fortbesteht, besonders an Heiligabend und anderen Terminen des málagueñischen Festkalenders. Es gibt anerkannte Varianten je nach geografischer Herkunft, darunter die Verdiales de los Montes, de Almogía und de Comares.

Musikalische Merkmale und compás

Die Verdiales werden in einem lebhaften, markanten ternären compás interpretiert, weit entfernt von der rhythmischen Freiheit anderer, langsamerer Fandangos, was sie zu einem ausgesprochen festlichen und kollektiven Cante und Tanz macht. Ton und Melodie variieren je nach Panda und Herkunftscomarca, innerhalb einer gemeinsamen Fandango-Struktur.

Die Instrumentierung ist eines der eigentümlichsten Merkmale des Stils: Neben der Gitarre wirken Pandeiros, Panderetas, Becken, Sonajas, Kastagnetten und, in charakteristischer Weise, die Violine mit, ein im übrigen Flamenco eher unübliches Instrument. Diese Kombination verleiht den Verdiales ein ganz eigenes klangliches Kolorit innerhalb des Fandango-Repertoires.

Cantaores und repräsentative Interpreten

Die herangezogene Quelle nennt keine konkreten Interpreten dieses Stils. Aufgrund ihres kollektiven Charakters wurden die Verdiales traditionell eher durch die Pandas oder Gruppen jedes Ortes weitergegeben als durch einzelne Solisten, im Unterschied zu anderen Flamenco-Cantes mit klarer Urheberschaft.

Verwandtschaft mit anderen Palos

Die Verdiales gehören zur großen Familie der Fandangos und gelten als eine ihrer ursprünglichsten und im Volksbrauchtum am stärksten verwurzelten Formen. Aus ihnen entwickelten sich mit der Zeit persönlichere und flamencohaftere Fandangos wie die Malagueña oder die Rondeña, die ein langsameres Tempo und einen solistischeren Charakter annahmen und sich so vom festlichen, kollektiven Ursprung der Verdiales entfernten.