Musique Espagnole

Gitarristen

Enrique de Melchor

1950 – 2012

Wer ist Enrique de Melchor?

Enrique Jiménez Ramírez, künstlerisch bekannt als “Enrique de Melchor”, wurde am 15. Juli 1950 in Marchena (Sevilla) geboren, als Sohn des Gitarristen Melchor de Marchena, einer der zentralen Figuren des Begleit-Toque des 20. Jahrhunderts. Er lebte bis zu seinem zwölften Lebensjahr in seinem Geburtsort, bevor er mit seiner Familie nach Madrid zog, wo er begann, von seinem Vater die Geheimnisse des Handwerks aufzunehmen.

Seine Ausbildung vervollständigte sich im Tablao Los Canasteros, das von Manolo Caracol geleitet wurde, eine Bühne, auf der er mit knapp fünfzehn Jahren professionell debütierte. In diesem Umfeld formte er endgültig einen Stil, der, ohne auf die von seinem Vater ererbte flamencotypische Orthodoxie zu verzichten, auf eine viel persönlichere und sanftere Lyrik setzte.

Werdegang

Im Laufe seiner Karriere begleitete er einige der bedeutendsten Cantaores seiner Generation: Antonio Mairena, José Menese – dessen Hauptgitarrist er über einen Großteil seiner diskografischen Laufbahn war –, Juan Peña El Lebrijano, Camarón de la Isla, La Perla de Cádiz, Fosforito, Pansequito, El Turronero, Rocío Jurado, Chiquetete, María Jiménez, José Mercé, Carmen Linares und Vicente Soto, unter anderen. Sein Ansehen führte ihn auch auf erstklassige internationale Bühnen wie die Queen Elizabeth Hall in London oder die Carnegie Hall in New York, und er wirkte an einem Konzert bei den Vereinten Nationen zusammen mit Montserrat Caballé und José Carreras mit.

Mit erst achtzehn Jahren erhielt er den Nationalpreis der Cátedra de Flamencología von Jerez und später den Castillete de Oro von La Unión, zwei Auszeichnungen, die sein Niveau innerhalb des Flamenco-Toque früh bestätigten.

Stil und Diskografie

Als Begleiter hinterließ er richtungsweisende Aufnahmen wie “Renuevos de cantes viejos” (1970) von José Menese, “Persecución” (1976) von El Lebrijano, “María del amor” (1979) von Luis de Córdoba, “Cruz y luna” (1983) von Enrique Morente oder “El calor de mis recuerdos” (1983) von Antonio Mairena. Als Solist veröffentlichte er im Laufe der achtziger Jahre mehrere Alben und später “La noche y el día” (1991), “Cuchichí” (1992), “Rosas del amor” (1999) und “Raíz flamenca” (2005), Werke, in denen er nicht zögerte, Flöten, Violinen, Bass und Chöre einzubauen, ohne dabei die tiefe Wurzel seines Spiels aufzugeben.

Vermächtnis

Enrique de Melchor starb am 3. Januar 2012 in Madrid an Krebs. Er hinterließ einen Stil mit klassischer Wurzel, aber eigenem Akzent, direkter Erbe der Schule seines Vaters und zugleich abgemildert durch eine sehr persönliche Lyrik, der ihn zu einem der gefragtesten und angesehensten Begleitgitarristen seiner Zeit machte.