Miguel Borrull
Wer ist Miguel Borrull?
Miguel Borrull Castelló wurde 1866 in Castellón de la Plana geboren. Einen Großteil seiner Karriere entfaltete er in den cafés cantantes und colmaos von Madrid, zu einer Zeit, als sich der Flamenco in diesen Lokalen zu professionalisieren begann, und er wurde mit der Zeit zu einem der maßgeblichen Gitarristen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, besonders anerkannt für seine Beherrschung der toques de Levante.
Werdegang
Zwischen 1890 und 1910 war er der Hauptbegleiter von Antonio Chacón, zwei Jahrzehnte, in denen er als der bevorzugte tocaor des cantaor aus Jerez galt, und er arbeitete außerdem mit Manuel Torre und dem Cojo de Málaga sowie weiteren großen Namen jener Epoche zusammen. Aus jenen Jahren sind Aufnahmen auf Wachszylinder gemeinsam mit Chacón erhalten, ebenso spätere Schallplatten mit mehreren der großen cante-Meister seiner Generation.
1916 gründete und leitete er das Café Cantante Villa Rosa in Barcelona, ein Lokal, das unter seiner Führung große Blüte erlebte und in jenen Jahren zu einem Bezugspunkt für den Flamenco in Katalonien wurde.
Stil und Diskografie
Neben dem Flamenco-Repertoire spielte er im privaten Rahmen auch klassische Gitarrenstücke, vor allem von Francisco Tárrega, was von einer für Flamenco-Gitarristen seiner Zeit ungewöhnlich breiten musikalischen Bildung zeugt. Der Musikwissenschaftler Domingo Prat beschrieb seinen toque mit den Worten, seine Finger webten auf der Gitarre ‘falsetas, preludios, bordoneos und rasgueos, die Bewunderung hervorriefen’.
Vermächtnis
Er war Vater der Gitarristen und Künstler Miguel, Julia, Isabel und Cecilia Borrull Jiménez sowie Großvater von La Gitana Blanca und Trini Borrull, wodurch eine regelrechte Familiensaga innerhalb des Flamenco entstand. Er starb 1947 in Barcelona und hinterließ einen bemerkenswerten Einfluss auf spätere, auf die toques de Levante spezialisierte Gitarristen.