Rafael Riqueni

Wer ist Rafael Riqueni?
Rafael Riqueni del Canto wurde 1962 in der Calle Fabié im sevillanischen Stadtviertel Triana geboren, der Wiege eines bedeutenden Teils der flamenco-Tradition der Stadt. Er bildete sich bei Isidoro Carmona und später bei Manolo Sanlúcar aus, einem der großen Erneuerer der Flamenco-Gitarre des 20. Jahrhunderts, von dem er ein im Genre höchst seltenes harmonisches Feingefühl erbte.
Sein Talent zeigte sich früh: Noch vor seinem vierzehnten Lebensjahr hatte er sich bereits die wichtigsten nationalen Gitarrenpreise von Córdoba und Jerez gesichert, und 1977, mit gerade einmal fünfzehn Jahren, gewann er den angesehenen Ramón-Montoya-Preis des Concurso Nacional de Córdoba.
Werdegang
Ab 1977 entfaltete er eine intensive und konsequente künstlerische Tätigkeit, zunächst als Begleiter und später zunehmend als Solist und Komponist. Er arbeitete mit Künstlern wie Rocío Jurado, Isabel Pantoja, María Jiménez, Martirio, Romero Sanjuán, Mario Maya, der Familie Montoya, Juan José Amador, Naranjito de Triana oder Enrique Morente zusammen. Ende der achtziger Jahre zog er nach Madrid und erweiterte von dort aus seinen Wirkungskreis um Zusammenarbeiten mit flamencofremden Musikern wie Anouar Brahem, Al Di Meola oder Vargas Blues Band.
Stil und Diskografie
Seine Musik, von einer sehr charakteristischen Eleganz und Lyrik, schöpft offen aus dem spanischen musikalischen Nationalismus von Albéniz, Falla und Turina, übertragen in die Sprache der Flamenco-Gitarre mit einem sehr persönlichen Ergebnis. Dieser Einfluss zeigt sich in Werken wie dem Live-Album “Flamenco” (1987), aufgenommen ohne zusätzliche Effekte, in einem Hommage-Album an seine Lehrmeister – Sanlúcar, Niño Ricardo und Sabicas –, in der gemeinsam mit José María Gallardo komponierten “Suite Sevilla” oder in “Mi tiempo”, vorgestellt auf der Bienal de Flamenco de Sevilla 1990.
Vermächtnis
Er komponierte auch die Musik für das Theaterstück “La reina andaluza” (1989) und schuf eine Gitarrenversion von “Amargura” von Font de Anta, neben weiteren Stücken, die zu seinem persönlichsten Repertoire zählen. Als einer der raffiniertesten Gitarristen seiner Generation angesehen, bleibt sein Werk bis heute ein Bezugspunkt innerhalb der harmonischsten und kompositorischsten Strömung des zeitgenössischen Flamenco.