Vicente el Granaíno
Wer ist Vicente el Granaíno?
Vicente Fernández Maldonado, bekannt als Vicente el Granaíno, wurde 1927 in Granada geboren. Von Geburt an blind, erhielt er seine musikalische Ausbildung an der Blindenschule seiner Heimatstadt, wo er klassische Gitarre lernte, und widmete sich später unter der Anleitung von Meister Rodríguez Albert dem Flamenco-Spiel sowie der Bandurria und der Laute. Mit vierzehn Jahren zeichnete er sich bereits so sehr aus, dass er einen Preis bei einem von der ONCE organisierten Wettbewerb für Zupfinstrumente gewann, ein Vorgeschmack auf die Karriere, die er danach entwickeln sollte.
Werdegang
Er gründete und leitete das Trío Granada, mit dem er Bühnen in Spanien, den Vereinigten Staaten, Südamerika, Marokko und Europa bereiste. 1965 zog er nach Amerika, wo er sogar seine eigene Compañía gründete, und lebte später fünfundzwanzig Jahre lang in Madrid, bevor er nach Granada zurückkehrte. Im Laufe seiner Karriere begleitete er sowohl Gitarristen wie Niño Ricardo und Sabicas als auch Cantaores vom Rang eines Antonio Mairena, Canalejas de Puerto Real, Rocío Jurado, Perlita de Huelva oder Alfredo Arrebola, unter vielen anderen, und lebte dabei stets unabhängig trotz seiner Blindheit.
Stil und Diskografie
Seine gleichzeitige Beherrschung von Gitarre, Bandurria und Laute, verbunden mit seiner Fähigkeit, sich mit gleicher Sicherheit zwischen klassischem und flamenco Repertoire zu bewegen, machte ihn zu einem der großen, international anerkannten Meister des Plektrumspiels. Zwischen 1970 und seinem Lebensabend produzierte er mehr als hundert Aufnahmen für Label wie Hispavox und Belter, darunter das Werk “Cuatro Instrumentos y un Intérprete” (1994), auf dem er allein Gitarre, Bandurria, Laute und Bass spielte, und beendete seine Karriere mit einem Duo zusammen mit dem Pianisten José Molina.
Vermächtnis
1965 trat er im Weißen Haus vor Präsident Eisenhower auf, der ihm einen Blindenführhund schenkte, und 1963 gab er in Granada gemeinsam mit Canalejas einen privaten Auftritt für die damaligen Prinzen Juan Carlos und Sofía. Die Stadt Granada verlieh ihm 2010 die Silbermedaille für Verdienst, in Würdigung einer Laufbahn, die mit seinem Tod am 22. Januar 2017 im Alter von 96 Jahren endete.