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Das meistverkaufte Flamenco-Album der Geschichte: Gibt es eine offizielle Zahl?

Eine Fangfrage

„Welches ist das meistverkaufte Flamenco-Album der Geschichte?” klingt nach einer Frage mit einfacher Antwort, nach der Art, die sich mit einer schnellen Suche klären lässt. Ist sie aber nicht. Anders als bei angelsächsischem Pop oder Rock, wo Verbände wie die RIAA oder die BPI seit Jahrzehnten Verkaufszahlen nach relativ einheitlichen Kriterien zertifizieren, verfügt die spanische Plattenindustrie nie über ein zentrales, rückwirkendes Prüfsystem für ihren gesamten historischen Katalog verfügt. Die Gold- und Platin-Zertifizierungen, die es durchaus gibt — heute verwaltet von Productores de Música de España (PROMUSICAE) —, werden vergeben, wenn ein Label sie beantragt, nicht automatisch, und die Mengenschwellen haben sich im Laufe der Jahrzehnte mehrfach geändert. Viele Aufnahmen der sechziger, siebziger und achtziger Jahre erschienen zudem bei Labels, die heute nicht mehr existieren oder deren Verkaufsunterlagen verloren gingen oder nie digitalisiert wurden.

Hinzu kommt ein Problem, das speziell den Flamenco betrifft: Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts war er ein Nischengenre im Plattenmarkt, oft mit bescheidenem Budget aufgenommen und ohne die Promotionsmaschinerie anderer Stile, was es noch unwahrscheinlicher macht, konsolidierte und vergleichbare Zahlen zu finden. Dieser Artikel beansprucht nicht, die Frage mit einer trügerisch präzisen Zahl zu klären, sondern legt dar, was sich zu den wichtigsten Kandidaten tatsächlich belegen lässt, und erklärt, warum hier eher Konsens als absolute Gewissheit das Höchste ist, was man erreichen kann.

Der Kandidat mit dem größten Konsens: „Entre dos aguas” und „Fuente y Caudal”

Fragt man Fans, Kritiker und Gitarristen, fällt am häufigsten der Name „Entre dos aguas”, die instrumentale Rumba von Paco de Lucía auf dem Album „Fuente y Caudal” (1973). Und hier gibt es tatsächlich konkrete Zahlen, an denen man sich festhalten kann: Als Single veröffentlicht, verkaufte sich „Entre dos aguas” über 300.000 Mal, wurde 1976 mit Gold zertifiziert und hielt sich 22 Wochen auf Platz eins der spanischen Verkaufscharts — eine außergewöhnliche Dauer für ein textloses Instrumentalstück in einem von gesungenen Liedern dominierten Markt.

Kurioserweise war das Album, das es enthält, kein Erfolg von Anfang an. Berichten aus jener Zeit zufolge stieß „Fuente y Caudal” bei seiner Veröffentlichung nur auf ein verhaltenes kommerzielles Echo und wäre nach wenigen Monaten beinahe aus dem Katalog genommen worden. Erst der unerwartete Erfolg der Single, fast zufällig durch Radioeinsätze bekannt geworden, zwang das Label dazu, das Album 1975 neu aufzulegen und es diesmal mit Nachdruck in die allgemeinen Verkaufscharts des Landes zu bringen — weit über das hinaus, was ein Flamenco-Gitarrenalbum damals normalerweise bewegte. Dieser Verlauf — anfänglicher Misserfolg, durch das Radio getriebener Erfolg der Single, Neuauflage und schließlich die Krönung des gesamten Albums — erklärt genau, warum „Fuente y Caudal” so oft als das meistverkaufte Flamenco-Album der Geschichte genannt wird, auch wenn es keine gut belegte Gesamtzahl für das komplette Album gibt, sondern vor allem für die Single.

Weitere Kandidaten, die man abwägen sollte

„Soy Gitano” (1989) von Camarón de la Isla. Dieses Album, produziert von Ricardo Pachón mit dem bis dahin größten Budget, das je in eine Flamenco-Aufnahme investiert wurde, war Camaróns erste Goldplatte, mit über 50.000 zertifizierten verkauften Exemplaren. Das ist eine bemerkenswerte Zahl für den Flamenco der späten Achtziger und bestätigt Camaróns Status als das andere große kommerzielle Phänomen des Genres im 20. Jahrhundert — bleibt aber nach den verfügbaren Daten unter den für die Single „Entre dos aguas” genannten Zahlen, was es zu einem ernsthaften, aber nicht zum unumstrittenen Spitzenkandidaten macht.

„El mal querer” (2018) von Rosalía. Das ist das jüngste Phänomen und, was mediale Wirkung und Zertifizierungen angeht, das spektakulärste: Das Album wurde kurz nach Veröffentlichung in Spanien mit Platin zertifiziert und hat seither weitere Zertifizierungen bis hin zu dreifachem Platin angesammelt. Hier sind allerdings zwei Einschränkungen nötig. Die erste ist methodisch: Die aktuellen PROMUSICAE-Zertifizierungen schließen Streaming-Äquivalente ein, nicht nur physische Exemplare oder verkaufte Downloads, was diese Zahlen nicht direkt mit den Gold- und Platin-Zertifizierungen der siebziger Jahre vergleichbar macht, die ausschließlich auf physischen, an den Handel ausgelieferten Einheiten beruhten. Die zweite betrifft die Einordnung: „El mal querer” ist vor allem ein Fusionsalbum aus Flamenco, Urban Pop und R&B, und nicht jeder Fan oder Kritiker betrachtet es als Flamenco im engen Sinne, so sehr seine erzählerische Struktur und ein Großteil seines musikalischen Vokabulars auch direkt aus Cante und Compás schöpfen.

Die Gipsy Kings, mit weltweit zig Millionen verkauften Platten im Laufe ihrer Karriere, sind wohl das größte kommerzielle Phänomen, das je mit dem Wort „Flamenco” auf dem internationalen Markt verbunden wurde. Ihre Musik wurzelt jedoch in katalanischer Rumba und akustischem Gitarren-Pop mit Gitano-Wurzeln — ein dem Flamenco eng verwandtes Genre, das außerhalb Spaniens oft mit ihm verwechselt wird, aber kein Flamenco im eigentlichen Sinne. Deshalb erwähnen wir sie hier nur als Vergleichsmaßstab und nicht als echte Kandidaten für den Titel dieses Artikels: Ihre Zahlen mit denen von Paco de Lucía oder Camarón zu vergleichen hieße, unterschiedliche Genres unter demselben kommerziellen Etikett zu vergleichen.

Wie lautet also die Antwort?

Nach den heute in seriösen Quellen belegbaren Daten gibt es keine offizielle, konsolidierte Zertifizierung, die zweifelsfrei ein einzelnes Flamenco-Album als das meistverkaufte der gesamten Genregeschichte ausweist — schlicht, weil nie eine Instanz existiert hat, die spanische Plattenverkäufe des 20. Jahrhunderts mit diesem Detailgrad und dieser Rückwirkung geprüft hätte. Mit angemessener Sicherheit lässt sich aber sagen, dass „Entre dos aguas”, und damit auch das Album „Fuente y Caudal”, der Kandidat mit dem größten Konsens unter Kritikern, Fans und den wenigen dokumentierten Zahlen ist, die überliefert sind: über 300.000 verkaufte Exemplare als Single, Goldstatus 1976 und 22 Wochen an der Spitze der spanischen Charts sind solide genug, um diesen Ruf zu stützen, auch ohne eine endgültige Gesamtzahl für das komplette Album.

Wer Vorsicht einer griffigen Schlagzeile vorzieht, dem sei diese ehrlichste Zusammenfassung angeboten: Einen offiziellen Sieger gibt es nicht, aber wenn man sich für einen entscheiden muss, bleibt die vernünftigste Wette — und die, die auch fast sechs Jahrzehnte nach der Aufnahme noch trägt — „Fuente y Caudal”.

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